Sozialpraktikum

Seit dem Schuljahr 2004/05 wird im Herbstsemester der 5. Klasse des Kurzgymnasiums ein individuelles zweiwöchiges Sozialpraktikum durchgeführt. Dieses ermöglicht den Schülerinnen und Schülern einen Einblick in neue Lebenswelten und -umstände. Ihre soziale Kompetenz wird gefördert, und sie übernehmen Verantwortung ausserhalb des geschützten Schulrahmens. Die Erfahrung, dass der eigene Beitrag sinnvoll und nützlich ist, stärkt die Persönlichkeit und kann auch helfen, die eigene Lernsituation zu klären. Zeitlich wird das Praktikum direkt vor die Herbstferien gelegt, so dass eine freiwillige Verlängerung in den Ferien möglich ist. Die Schule unterstützt interessierte Schülerinnen und Schüler, die ihr Praktikum im Welschland oder im Tessin absolvieren möchten, bei der Suche nach geeigneten Praktikumsplätzen. Die Koordination des Sozialpraktikums erfolgt durch eine von der Schulleitung eingesetzte Kommission.

 

 

"Einblick ins Sozialpraktikum" - Film von Zoe Ferigno und Rebekka Schwaninger

 

Auszüge aus den Praktikumsberichten der Teilnehmer:

  • Das Praktikum war eine enorme Bereicherung für mich, weil ich eine komplett andere Welt erlebte.

  • Dank dieser Möglichkeit einmal in die Mutterrolle zu schlüpfen bin ich jetzt auch fast sicher, dass ich einmal Mutter werden möchte und habe eine viel bessere Vorstellung, wie ich mein eigenes Leben einmal gestalten könnte.

  • Ich finde dieses Praktikum hat gezeigt, dass die Milch nicht einfach aus der Migros kommt, sondern dass harte Arbeit dahintersteckt.

  • Es ist nicht selbstverständlich, dass man eine Familie hat, die sich um einen sorgt und die einen liebt. Ich sollte eigentlich sehr glücklich sein und es viel mehr schätzen, dass ich in einem geschützten Umfeld und einer funktionierenden Familie lebe.

  • Es hat mich beeindruckt, wie offen und herzlich die Familie mich empfangen und aufgenommen hat. Ich fühlte mich nie als Praktikantin oder helfende Arbeitskraft, sondern wie ein Familienmitglied.

  • Es gefiel mir mich körperlich zu betätigen und neues zu lernen. Ich denke es war eine prägende Erfahrung, die mir etwas fürs Leben mitgegeben hat. Und wenn ich in Zukunft  Äpfel esse, werde ich immer daran danken wie viel mühsame Arbeit dahinter steckt.

  • Ich fühlte mich plötzlich so klein und war so zufrieden mit mir und der Welt wie schon lange nicht mehr.

  • Ich hatte Zeit über vieles nachzudenken, lernte eine andere Kultur kennen und konnte 3 Sprachen sprechen.

  • In der ersten Woche fiel ich abends todmüde ins Bett (…) wie verweichlicht wir Gymischüler doch sind.

  • Ich war entsetzt über die politische Einstellung der Dorfbewohner – alle denken gleich – ziemlich einseitig.

  • Das gute Feedback und das Gespräch darüber haben mich sehr gefreut und mir eine Portion Selbstvertrauen mitgegeben.

  • Ich habe in diesen zwei Wochen etwas kennen gelernt, das man nicht so einfach findet. Es ist eine ganz andere Welt, in die ich eingetaucht bin. In eine Welt, in der es nicht darum geht erfolgreich zu sein, viel Geld zu haben und anderen zu gefallen, sondern in der man für das lebt, was einem wirklich  wichtig ist, auch wenn man dafür auf einiges verzichten muss.

  • Kurz vor dem Praktikum hatte ich grosse Zweifel – jetzt da ich es hinter mir habe bereue ich keine einzige Minute davon.

  • Mir wurde auch klar, wie wichtig es im Leben ist, dass man seinen Beruf gern macht und die Arbeit nicht nur als Einkommensquelle sieht.
  • Ich realisierte, wie bedeutungslos der Fernseher und andere technischen Geräte sind.
  • Ich wurde nicht wie eine Arbeitskraft, sondern wie ein Familienmitglied behandelt.
  • Ich wurde mit der Realität konfrontiert und bekam zu Gesicht, dass nicht jede Familie Haus + Garten besitzt und alles in Butter ist.
  • Morgens rannte das Mädchen strahlend auf mich zu und umarmte mich. Diese Gefühl bei einem Kind willkommen zu sein war unbeschreiblich schön.
  • Das Praktikum hat mir nichts gebracht. Mir liegt keine Arbeit in der Natur. Ich geniesse faul unseren Wohlstand.
  • Schade, dass nur die nicht-immersiven Klassen diese Möglichkeit haben.
  • Früher dachte ich, es sei ganz normal, Kinder zu haben, einen Haushalt zu führen und gleichzeitig noch den erlernten Beruf auszuüben. Jetzt bewundere ich meine Mutter, dass sie alles geschafft hat.
  • Mütter haben kein Wochenende - dafür eine erfüllende Arbeit.
  • Ich habe erfahren, wie mühselig es ist, all die Nahrungsmittel, die man im Coop einfach aus dem Regal nehmen kann (und sich womöglich noch über die hohen Preise ärgert), selber zu ernten.
  • In Zürich wird man immer auch nach dem Äusseren beurteilt – dort lief man ständig in denselben, verschmutzten Kleidern rum.
  • Es war eindrücklich, als Einzelkind in einer solchen Grossfamilie zu sein und den Familienzusammenhalt zu erleben.
  • Ich sah während diesem Praktikum ein, dass ich wohl doch nicht Psychologie studieren werde.
  • Ich konnte eine andere Welt erleben und hatte viel Zeit, über mein Leben nachzudenken.