"Samowar" – Der Mittagstisch

Während des Winterhalbjahres wird den Schülerinnen und Schülern dreimal wöchentlich eine warme Mahlzeit angeboten. Da die Kantonsschule Küsnacht über keine Mensa verfügt, stellte die reformierte Kirchgemeinde während Jahren ihr Jugendfoyer der Schule gratis zur Verfügung. Seit Oktober 2001 hat der “Samowar” – so die schulinterne Bezeichnung dieses Mittagstischs – seine eigenen Räumlichkeiten in der Semihalle.

 

Die mehr als 200 Mahlzeiten werden jeweils von Eltern, Grosseltern und Vertretern der Lehrerschaft (selbst Mitglieder der Schulleitung krempeln die Ärmel hoch...) vorbereitet; für Hilfsarbeiten (Gemüserüsten bzw. Abwaschen) werden pro Mahlzeit vier Schülerinnen und Schüler für je zwei Lektionen vom Unterricht dispensiert; sie erhalten dafür ein kostenloses Mittagessen. Die beteiligten Köchinnen und Köche erhalten vom Lehrerinnen- und Lehrerverein der Kantonsschule Küsnacht, der den Samowar finanziell unterstützt, eine kleine Entschädigung. Seit bald zwanzig Jahren läuft nun der “Samowar” – ein toller Erfolg für dieses unkonventionelle, unkomplizierte und äusserst kostengünstige Projekt! Nach wie vor stösst es auf ein positives und dankbares Echo bei der Schülerschaft. Der Einsatz für die Köchinnen und Köche ist streng, verlangt Improvisationstalent und Spontaneität. Aber es lohnt sich: Alle freuen sich auf die Wintermonate, in denen es nicht nur Salat und Sandwiches, sondern das Büffet mit richtigen Menüs gibt.

 

 

Wer macht mit?

Nach den Sommerferien wird jeweils ein Rundschreiben an die Eltern der Erstklässler und an die Eltern, die beim Mittagstisch schon einmal mitgemacht haben, versandt. Es geht dabei um eine erste Information über das Projekt mit der Bitte, sich daran zu beteiligen. Interessierte kreuzen auf einem Anmeldetalon die ihnen passenden Daten an. Aufgrund der eingegangenen Anmeldungen wird dann ein Einsatzplan für das Winterhalbjahr zusammengestellt (im Normalfall ein bis zwei Einsätze). Diese Einsatzpläne werden zusammen mit den wichtigsten Informationen noch vor den Herbstferien verschickt. Personen, die das Projekt nicht kennen, haben Gelegenheit, kurz vor den Herbstferien im Samowar an Ort und Stelle die Raumverhältnisse und die Kücheneinrichtungen zu besichtigen; die verantwortliche Lehrperson informiert über den Betrieb und beantwortet allfällige Fragen der Anwesenden. Die Schülerorganisation erstellt eine Liste von Schülerinnen und Schülern, welche beim Kochen oder beim Abwaschen helfen. Soweit die Vorbereitungen und Planungen. Nach den Herbstferien geht es dann los. (Im Sommerhalbjahr ist der Mittagstisch wegen zu geringer Nachfrage eingestellt.) Ein grosses Lob verdienen alle Eltern und Lehrkräfte, die sich für den Samowar engagieren. Mit ihrem Einsatz fürs leibliche Wohl der Schülerschaft leisten sie einen wichtigen Beitrag zu deren Wohlbefinden und – darüber hinaus – zu einer positiven Schulatmosphäre.

 

 

Ein Tag im Samowar

Um zehn Uhr treffen sich die beiden Kochpartnerinnen im Samowar. Zuvor haben sie schon das Menü abgesprochen, die nötigen Zutaten zuhause vorbereitetet (z.B. geschnittene Zwiebeln, gerüstete und zerkleinerte Peperoni u.a.) sowie die Esswaren eingekauft (beispielsweise 7 kg Reis, 5 Portionen Reibkäse, 24 Säckli getrocknete Pilze, 4 kg Brot, 10 Kopfsalate etc.). Zuerst wird eine grosse Pfanne Teewasser auf ein spezielles Rechaud gestellt. In weiteren Töpfen werden die Vorbereitungen für die Mahlzeit getroffen. Am besten eignen sich Eintopfgerichte. Eine Hälfte wird meist mit Fleisch zubereitet, ein zweiter Teil ohne Fleisch für die zahlreichen Vegetarierinnen und Vegetarier an unserer Schule. Um halb elf Uhr treffen die beiden Schülerinnen oder Schüler ein, die bei der Zubereitung helfen. Gemeinsam wird gerüstet, Salat gewaschen, Brot geschnitten und Gläser und Geschirr werden bereit gestellt. Zu viert wird intensiv gearbeitet, dazwischen gelacht; gute Gespräche kommen zustande und alle Beteiligten geniessen die spezielle Atmosphäre beim gemeinsamen Tun. Um Viertel vor zwölf Uhr ist es dann soweit: Eine erste Schülerschar strömt hungrig in den Samowar; der zweite Teil der Schülerschaft wird um halb eins verpflegt. Mit Freude und Stolz schöpfen die Köchinnen und Köche die herrlich duftende Mahlzeit in die bereitgestellten Teller.

Sieben Franken kostet das Mittagessen inkl. Salat, Brot, Tee, Guetzli und Kaffee. Immer wieder ein gespannter Blick in die Pfannen und auf die wartende Schülerschlange: Reicht wohl die zubereitete Menge oder gibt es gar Reste? Die Stimmung im Saal ist locker und fröhlich. Einige Schülerinnen und Schüler bringen ihr Geschirr nach dem Essen in die Küche und verabschieden sich mit einem herzlichen “Danke – 's isch guet gsi!” Die Kochequipe beginnt mit den Aufräumearbeiten. Zwei andere Schülerinnen oder Schüler helfen jetzt mit – wieder eine gute Gelegenheit für spannende Gespräche. Etwa um 15 Uhr verlässt die Kochgruppe den Samowar. Die Beteiligten sind zufrieden und glücklich; sie spüren, dass sie sich da für eine sinnvolle Sache engagiert haben.

Käthi Kurtz