Kurzportrait der Gebäude auf dem Schulareal

Welche Zürcher Kantonsschule kann von sich behaupten, auf den mittelalterlichen Fundamenten einer ehemaligen Johanniterkomturei errichtet und zugleich stolze Besitzerin eines eigenen Rebbergs zu sein? Damit dürfte diese Schulanlage auch im Vergleich mit anderen Kantonen eine einzigartige Stellung einnehmen. Sie widerspiegelt mit ihren Bauten praktisch nahtlos die Architekturgeschichte vom 14. Jahrhundert bis in die Gegenwart und trägt viel bei zur Vielfalt und Lebendigkeit dieser Schule.

 

Johanniterhaus

Das Johanniterhaus ist ein stattlicher Gebäudekomplex, dessen Kern aus dem Mittelalter stammt und ursprünglich eine Komturei der Bubiker Johanniter war. Nach der Reformation residierte hier der Amtmann der Stadt Zürich, bevor 1834 das erste Lehrerseminar des Kantons Zürich einzog. Im Zuge dieser Neunutzung wurden im 19. Jahrhundert umfassende Umbauten durchgeführt, und in dieser Gestalt präsentiert sich das Gebäude bis auf kleinere Eingriffe heute noch. Im Innern wurden allerdings in mehreren Etappen wesentliche Veränderungen vorgenommen, so dass von der alten Bausubstanz nicht mehr viel zu sehen ist. 1988 wurde das Gebäude sorgfältig restauriert und die gesamte Haustechnik erneuert. Im Haupttrakt befinden sich Unterrichtsräume für das Untergymnasium, ferner Fachzimmer für Musik und Informatik, das Lehrerzimmer samt Lehrerarbeitsräume sowie die Büros die Schulverwaltung. Im Nebenflügel sind über dem Singsaal die Räumlichkeiten für die Fachbereiche Chemie, Physik und Instrumentalunterricht untergebracht.

 

Italienische Villa

Das 1895 erbaute untere Schulhaus – eine italienische Villa im Jugendstil – dient der Schule als „Musentempel“. Hier sind die Fachschaften Bildnerisches Gestalten, Werken, Musik und Sologesang untergebracht. Das Gebäude wurde 1989 einer umfassenden Renovation unterzogen. Dabei wurde die Inneneinrichtung des grossen Zeichensaales im ersten Stock unter denkmalpflegerischen Auflagen aufwändig restauriert. Von der Dachterrasse der Villa geniesst man einen weiten Ausblick über die Schulanlage, den Küsnachter Dorfkern und das untere Seebecken bis hin zu den Alpen.

 

Mediothek

Der 1999 vom Erlenbacher Architekturbüro Bétrix und Consolascio erstellte Holz- und Glasbau besticht durch seine Einheit von Form und Inhalt. Auch wenn in dieser Mediothek die elektronischen Medien eine wichtige Rolle spielen, so führen architektonisch doch die Bücherregale Regie. Sie sind keine Möbel, sondern bilden die tragenden Elemente des Gebäudes, sie sind das Haus. Die räumliche Stimmung erinnert eher an klassische Bibliotheken, wie sie beispielsweise in Klöstern anzutreffen sind, als an konventionelle, meistens durch Regale verstellte Schulbibliotheken.

Der lichte Innenraum macht erfahrbar, wie erholsam Vertiefung und Konzentration sein können, gerade auch in unserer Zeit der Informationsflut. Wer lernen will, Medien kompetent und klug zu benützen, findet hier eine moderne Infrastruktur und eine ideale Atmosphäre. Beim Lesen oder Entspannen fällt der Blick durch die Bücherregale hinaus auf die vielfältige Umgebung des preisgekrönten Minergie-Baus. Die Mediothek ist einer der beliebtesten Orte unserer Schule.

 

Semihalle

Kein Geringerer als Otto Weber, Staatsbauinspektor und Schüler von Gottfried Semper am Polytechnikum Zürich, wurde 1878 mit der Aufgabe betraut, am Seminar Küsnacht eine Turnhalle zu errichten – nota bene die erste im Kanton. Dieser Prototyp erfüllte seine Aufgabe fast bis zum Ende des 20. Jahrhunderts, obwohl Grösse und Ausstattung längst nicht mehr den Normen des Sportunterrichts genügten. Dank der Errichtung der Mehrzweckhalle im Heslibach durch die Gemeinde Küsnacht konnte die Schule den gesamten Sportunterricht nun dort konzentrieren, so dass die alte Turnhalle für die langersehnte Umnutzung in einen Schüleraufenthaltsbereich frei wurde. Die 1999 sorgfältig restaurierte Halle dient seither tagsüber als Verpflegungsraum für die Schulangehörigen; sie hat sich auch als Kulturraum für Theater, Konzerte, Lesungen, Schulfeste etc. bestens bewährt. Im farbenfroh gestalteten Untergeschoss konnte ein Schlagzeugraum eingerichtet werden.

 

Klassentrakt

Seit Jahrzehnten musste unsere Schule mit vielen baulichen Provisorien auskommen. Im Februar 2006 konnten die Bauarbeiten für den Neubau endlich aufgenommen werden.

Mit dem Bezug des vom Architekturbüro Martin+Monika Jauch-Stolz, Luzern, erstellten neuen Klassentrakts im August 2007 ging für die Kantonsschule Küsnacht ein Traum in Erfüllung, an dessen Realisierung man während Jahrzehnten fast nicht mehr zu glauben wagte. Dass sich die Küsnachter Schulangehörigen – trotz ihrer langjährigen Prägung durch die Baracken – im neuen Klassentrakt auf Anhieb wohl gefühlt haben, spricht für die gestalterische und funktionale Qualität des Neubaus. Der je nach Beleuchtung in grauen oder grünlichen Farbtönen schimmernde Bau setzt am südlichen Ende des Schulareals einen markanten Akzent, ohne die Dominanz von Johanniterhaus und Kirche zu gefährden. Im architektonischen Zusammenspiel von Neubau, Mediothek und Semihalle ist ein attraktiver Platz entstanden, der sich dank der grossen Freitreppe beim Haupteingang zu einem beliebten Treffpunkt der neuen Schulanlage entwickelt hat.

Im Innern überzeugt das Gebäude durch seine schlichte Architektur und den zumeist in Weiss und hellen Grautönen gehaltenen Materialien, zu denen die langen Holzwände entlang der Korridore und in den Klassenzimmern einen angenehm warmen Kontrast bilden. Lässt man den Blick aus den grossen Fenstern über den grünen Rebberg schweifen, so kann man sich einen schöneren Ort des Lehrens und Lernens fast nicht vorstellen. Konzeptionell überzeugend ist auch die Anordnung der Musikzimmer direkt gegenüber den Klassenzimmern. Der Instrumentalunterricht rückt ins Zentrum des pädagogischen Geschehens, was den musischen Charakter unseres Gymnasiums wirkungsvoll unterstreicht. In den dazwischenliegenden Korridornischen befinden sich Arbeitstische und Sitzbänke, die sich für individualisierende Unterrichtsformen bestens eignen. Die Lehrkräfte schätzen die moderne Infrastruktur, die ihnen erstmals seit langem ein ungestörtes Arbeiten ermöglicht. Im Untergeschosse befinden sich neben Archiv- und Räumen für die Haustechnik ein Schlagzeugraum, ein Tonstudio sowie ein Photolabor.